Klick, Klick, noch ein Klick – gekauft! Der Warenkorb ist vollgepackt. Vollgepackt mit guten Sachen, hochwertig, ethisch vertretbar. „Deutsche-modedesigner.de“ ist ein Onlineshop mit Mode, die nachhaltig ist. Dr. Anja Hermes erzählt im Interview, wie sich aus einem kleinen Hobby ein Beruf mit nun schon zwei Mitarbeitern entwickelte. 

Vanessa Lovino: Was unterscheidet deutsche Modedesigner von internationalen Designern?

Dr. Anja Hermes: Gute Frage, woran macht man das eigentlich fest? In der Regel sind deutsche Modedesigner eher schlicht und klassisch. Vergleichbar mit den Franzosen und Italienern, aber eben nicht so verspielt. Unsere Kultur spiegelt sich in der Mode wieder. Unsere Mode ist sehr kreativ, auch wenn sie ausgeflippt ist, hat aber eben immer auch etwas sehr Klares, und Systematisches. Der Spannungsbogen zwischen diesen beiden Polen macht für mich deutsches Modedesign aus. So wie bei Anja Gockel oder auch Eva Lutz. Deutsches Design ist natürlich auch stark durch Jil Sander geprägt, die ich sehr verehre.

Ideenfindung und Ideenverwirklichung sind wichtig. Was passiert jedoch, wenn eine Idee technisch nicht umsetzbar ist?

Es gibt wenig Ideen, die tatsächlich nicht umsetzbar sind. Funktional gewordene Mode ist hier wohl das Stichwort. Oft sind diese einfach noch zu teuer. Warten ist da das Stichwort.

Wie und wo begegnen Sie deutschen Modedesignern?

Auf der Fashionweek in Berlin zum Beispiel. Dort, wo Designer gebündelt auftreten. Ich suche sie mir aus und spreche sie an. Meistens sind das die renommierten, die schon ein paar Jahre auf dem Markt vertreten sind, die man in der Kommunikation schon erlebt hat von denen man schon gehört hat. Von den ganz jungen haben wir bisher nur wenige. Vor der Aufnahme überprüfen wir ich noch die Produktionsbedingungen. Versprechen wie „Made in Germany“ und „in bester Art“ müssen natürlich stimmen, daher muss die Qualität auch streng geprüft werden.

Wie können Sie eine Produktion als nachhaltig verifizieren?

Im Moment überwiegen bei uns Designer, die auch in Europa produzieren. Eine Designerin, die bei uns vertreten ist, produziert Kaschmir in Asien. Kaschmir aus Deutschland ist schwierig bis unmöglich. Sie pflegt persönlichen Kontakt zu den Besitzern der Fabrik und ist schon seit ca. 10 Jahren dort. Filme werden uns regelmäßig zugeschickt und wir wurden auch schon eingeladen.

Wie definieren Sie nachhaltige Mode?

Nachhaltigkeit hat natürlich viele Seiten. Arbeitsgesetze, Chemikalien, Umweltschonung. Ich glaube, Fair Fashion wird ein zunehmend wichtiges Thema werden. Für mich persönlich steht die Sicherheit im Vordergrund, dass kein Kind an der Herstellung meiner Kleidung beteiligt war und keine umweltschädlichen Chemikalien zum Einsatz kamen.

Ihre Zielgruppe besteht momentan aus Frauen ab 35. Möchten Sie nicht auch jüngere Kunden generieren?

Jüngere Kunden haben wir automatisch durch Instagram und Facebook. Eine Studentin kann sich aber keinen Mantel für 500 Euro leisten. Die Kunden, bei denen wir einen Kauf erwarten, sind Mitte 30. Durch die Designer und die Kollektionen werden diese auch noch über eine andere Ebene angesprochen.

Inwiefern profitieren Sie durch den Verkauf von Designerkleidung?

An jedem Stück, das verkauft wird, verdienen wir durch Provision. Dadurch ist der Verkauf auch so wichtig.

Würden Sie neben Facebook und Instagram auch andere Medien für Werbung nutzen?

Wir sind ein Baby, dass gerade erst geboren wurde. Ich verschließe mich keinem Massenmedium. Im Moment können wir uns das jedoch noch nicht leisten. Unser Onlineauftritt und Mundpropaganda sind ersteinmal ein guter Start. Wenn wir etwas älter sind, dann würde mir persönlich eine Plakatkampagne, aber auch andere klassische Medien sehr gut gefallen.

Was ist denn mit der Zielgruppe der Männer?

Wir wurden schon angefragt und wenn alles so weiterläuft wie bisher, dann steht dem nichts im Weg.

Planen Sie Kooperationen mit dem stationären Handel?

Diese sind in jedem Fall wichtig für die Weiterentwicklung. Aber auch eigene Veranstaltungen bei denen die Kundinnen einen weiteren Bezug zu unseren Designern gewinnen. Es ist die andere Seite, die zurückhaltend ist.

Wie wird sich ihr „Baby“ in Zukunft weiterentwickeln?

Ich habe mir alle Türen offen gelassen, ich kann jederzeit zurück in meinen alten Beruf. Wenn es jedoch so weitergeht, wie bisher, dann würde ich mich nur noch darauf beschränken. Unser nächster Schritt ist dann die Internationalisierung.

Related Posts:

  • No Related Posts