Wie funktioniert fairer Handel? Und warum ist er so wichtig im  alltäglichen Konsum? Elmar Schulze Messing, Gesellschafter des Fair Handelszentrum Rheinland, erklärt den Fairen Handel zu einer sinnvollen Alternative

Ist “bio” immer fair oder ist fair immer “bio”?

Elmar Schulze Messing: Das ist unabhängig voneinander. Der faire Handel ist ein sozialer Ansatz, der Mensch steht im Mittelpunkt. Daher ist logischerweise biologischer Anbau ein Ziel und eine Konsequenz: Man kann nicht ernst genommen werden, wenn man die Umwelt zerstört. Bio ist oft auch sozial und oft fair aber das spielt erstmal keine Rolle. Bio ist meiner Meinung nach ein individueller Ansatz von Leuten die sagen: Ich kaufe „bio“ damit es mir selbst gut geht. Denen ist es erstmal egal, wie die sozialen Bedingungen sind. Deshalb ist mir der faire Ansatz näher.
Heutzutage sind wir sehr konsumorientiert. Ist es noch modern, sozial zu handeln?

Elmar Schulze Messing: Ich glaube, es ist wieder sehr modern. Eigentlich ist es eine Grundvoraussetzung. Es gibt einen Spruch von Erich Fried; „Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt“. Das sehen wir an den Klimaverhandlungen, da ist das auch Thema. Es muss sich etwas verändern und das merken die Leute. Plötzlich denkt man: „Wollen wir das denn?“ Ich glaube, es ist eine Notwendigkeit und das wird den Leuten wieder klar. In meinem Umfeld versucht man, den Konsum zu reduzieren. Nach dem Motto „Ich kaufe beim Bauern um die Ecke anstatt im Supermarkt“. Aber wir brauchen das als Bewegung, das kann man nicht individuell machen. Wenn man gemeinsam mit anderen darüber diskutiert, dann kann man etwas verändern.

Alternativer Handel – bedeutet das, dass Fair Trade irgendwann eine Alternative für alle Produkte auf dem Markt hat?

Elmar Schulze Messing: Gute Frage. Ich glaube, diese Nische wächst langsam, aber sie muss ein Stachel sein im Fleisch des Normalen. Ich hoffe, diese neoliberale Zeit ist eine Form des Kapitalismus die irgendwann platzt. Der Club of Rome hat darauf schon früh aufmerksam gemacht. Wir machen immer so weiter und irgendwann geht es nicht mehr. Ich finde es ernüchternd, dass seitdem ich dabei bin, in dem Thema so wenig passiert ist. Aber ich finde es spannend, dass immer wieder junge Leute sich dafür interessieren und nachfragen. Ein Freund, mit dem ich früher viel Politik gemacht habe, sagte immer: „Wenn wir die Wahl zwischen Pest und Cholera haben, dann wählen wir Himbeereis“. Wir lassen uns nicht vor die Wahl stellen, wir wollen anders leben, wir wollen ein gutes Leben für alle.
Wie beschäftigt man sich am Besten mit Fair Trade?

Elmar Schulze Messing: Eine Tochter eines Kegelbruders von mir hat sich im Unterricht mit der Problematik von Palmöl beschäftigt und will jetzt durchsetzen, dass die Familie kein Nutella mehr kauft, weil das Palmöl enthält. Aber wenn man sowas trotzdem haben will, dann gibt es eine faire Alternative. Wir haben eine 70-seitige Liste mit Lebensmitteln, die wir anbieten. Zu jeder Produktgruppe kann man eine Geschichte erzählen und warum es sinnvoll ist oder nicht. Danach raucht einem aber der Kopf. Andersherum wird ein Schuh draus. Wenn man Lust auf etwas Bestimmtes hat, kann man sich ja mal fragen, wo das herkommt und wie die Bedingungen dabei sind, und dann etwas aussuchen. So entwickelt man auch eine andere Wertschätzung. Dann kann sich auch etwas verändern. Das finde ich an alternativem Handel so spannend: Er hat etwas anzubieten.

Was verändert Fair Trade konkret?

Elmar Schulze Messing: Die Erlöse aus Fair Trade unterstützen viele kleine regionale Initiativen. In manchen Regionen haben Kommunen beispielsweise ein Dach für die Schule gebaut. In einem Dorf in Chile gibt es einen See, um den man drei Tage herumlaufen musste, um in die nächste Stadt zu kommen. Da haben sie ein Boot gekauft, mit dem man in anderthalb Stunden da ist. Für die ganze Gemeinschaft. Es gibt ganz viele Produkte im Fairen Handel, denen wir täglich begegnen, die eine Weltreise hinter sich haben und eine Geschichte dazu, auch wenn man es nicht glaubt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Text: Josephine Fischer, Dana Wedowski

img_6673

1img_6683

Related Posts:

  • No Related Posts