Beim Thema Nachhaltigkeit wird der Mensch oft vergessen

Weniger Wegwerfen, mehr Ressourcennutzung und die Verbesserung der Produktqualität: Das Thema Nachhaltigkeit ist für viele der Schlüssel zu einer besseren Konsumgesellschaft. Die Herstellung soll auf wertige, ökologische Materialien umgestellt werden. Die Umwelt soll geschützt werden, um unseren Lebensraum für spätere Generationen zu erhalten. Doch hinter jeder Produktion, nachhaltig oder nicht, stehen bereits jetzt Menschen,deren Bedürfnisse es zu schützen gilt.

Nachhaltigkeit ist ein Prinzip „nach dem nicht mehr verbraucht werden darf als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“ – so definiert es der Duden. Damit sind hauptsächlich natürliche Ressourcen wie pflanzliche und tierische Fasern, Wasser und Erdboden gemeint. Es geht darum, so sparsam wie möglich damit umzugehen, damit der derzeitige Anbau nicht die Chance auf zukünftigen versperrt. Der grundlegende Hintergedanke: Die Versorgung nachfolgender Generationen.

Don’t damage

Dieser ökologische und ökonomische Ansatz stellt jedoch nur zwei der drei Säulen des bekannten Nachhaltigkeitsmodells dar. Entworfen hat es der Oldenburger Professor Bernd Heins. Die dritte ist die soziale Säule. Doch es gibt im Gegensatz zu den anderen beiden Aspekten unterschiedliche Auffassungen von sozialer Nachhaltigkeit. Nach Edda Müller vom deutschen Nachhaltigkeitsrat laute die Devise: „don’t damage – also das Bemühen, bei Industrieansiedlungen oder ländlicher Entwicklung bloß nichts kaputt zu machen oder jedenfalls nicht dabei aufzufallen.“ Es sollten möglichst keine Entscheidungen getroffen werden, die eine andere Generation verurteilen könnte.

In diesem Bestreben kommt die Frage auf, ob die verbreitete Produktion in sogenannten Billiglohn-Ländern nicht unter die Rubrik der „voreiligen Entscheidungen“ fällt. Wenn Menschen unter Bedingungen arbeiten, die es ihnen schwer machen, sich und ihre Familien angemessen zu kleiden, zu ernähren und zu bilden, wirkt sich dies ebenso negativ auf die nachfolgenden Generationen aus wie die Zerstörung der Umwelt. Die Folgen sind Krankheiten, steigende Armut sowie eine gehemmte bildungsökonomische Entwicklung ganzer Staaten.

Siegelklarheit

So kompliziert die Debatte um die Nachhaltigkeit, so unübersichtlich der Dschungel der Qualitätssiegel. Der „Blaue Engel“ beispielsweise hat sich besonders die Umweltfreundlichkeit der Produkte auf die Fahne geschrieben. Einerseits. Andererseits gibt es solche Siegel wie das Fair-Trade-Siegel, das hohe Anforderung an die Sozialverträglichkeit stellt. Beide fordern auch Mindeststandards im jeweils anderen Segment, zum Beispiel Verbot von Zwangsarbeit und Kinderarbeit sowie die Einschränkung von synthetischen Pestiziden und dem sorgfältigen Umgang mit Chemikalien. Den meisten Verbrauchern ist jedoch nicht bewusst, dass ein Umwelt-Siegel alleine die soziale Nachhaltigkeit nicht unbedingt mit einschließt. Um sich darüber zu informieren, kann man auf „siegelklarheit.com“ die meisten Qualitätssiegel miteinander vergleichen. Im Idealfall sollte ein Produkt beide Arten von Siegeln besitzen, um sämtliche Schwerpunkte der Nachhaltigkeit abzudecken.

Natürlich ist dies nicht immer möglich. Doch wie Elmar Schulze Messing von der „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“ zu bedenken gibt: Bei Produktionen mit sozialem Ansatz stünde der Mensch im Mittelpunkt. „Der biologische Anbau ist natürlich ebenfalls ein Ziel und eine Konsequenz: Man kann nicht ernst genommen werden, wenn man die Umwelt zerstört.“ Schließlich hätte dies fatale Folgen für den Lebensraum des Menschen. Umgekehrt muss der Mensch ebenso geschützt werden wie die Natur, denn was nützt eine intakte Umwelt, wenn der Mensch darin in ausbeuterischen Verhältnissen lebt.

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