In einer Zeit, in der sich die Modebranche immer mehr in Nachhaltigkeit und Fast Fashion polarisiert, haben neue Konzepte und Denkweisen es schwer, Fuß zu fassen. Entweder oder, heißt die Devise: Ein überraschendes Image hat es schwer, wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel „Vegane Mode“ – das klingt abstrakt, ist allerdings auch schon unter den großen Designern zu finden. Stella McCartney gehört zu den Vorreitern, die sich für vegetarische Mode einsetzt. Auch Vivienne Westwood punktet mit veganen Einzelstücken, wie zum Beispiel der „Jungle Crocodile Bag“ in Krokodil-Optik. Und erhielt dafür 2015 den „PETA Vegan Fashion Award“. Aber wer kann die Fashion-Welt so weit beeinflussen, dass vegetarische und auch vegane Mode zur Normalität werden? Denn die typischen Klischees über Vegane Mode, wie zum Beispiel die Bezeichnung „Anti-Fashion aus dem Urwald“, sind lange überholt und gehören der Vergangenheit an. Drei Beispiele, drei Vorbilder.

Ein Blick in die Hauptstadt. Berlin steht für junge, ausgefallene, „trashige“ Kultur und Mode – und vermutlich auch für Innovation. Das Label Umasan zum Beispiel vereint Avantgarde und vegane Mode und macht diese zum eigenen Wiedererkennungsmerkmal. Vegane Mode bedeutet dabei Verzicht auf Seide, Wolle, Pelz, Daunen und Leder. Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten im Synthetik-Bereich ist das heutzutage gar nicht schwer. Kompliziert wird es eher bei Accessoires wie Schuhen, die bislang auch noch sehr selten vegan hergestellt werden.

Wer über Schuhe redet, muss nach Italien schauen. Noah ist ein kleine italienische Marke, die Accessoires sowie Damen- und Herrenschuhe 100% vegan herstellt. Mit Achtung von Umwelt, Tier und Mensch produziert das Label in einer traditionellen Manufaktur in Italien. Die Materialien sind überwiegend Micronappa und Microsuede. Beide haben einen synthetischen Ursprung, gehören zum Microfaser- beziehungsweise Polyestergewebe. Das Konzept von Noah bezieht sich auf das Prinzip des „Dolce Vita“ – das laut gängigen Vorstellungen in Italien vorherrscht. So bekommt man die Konnotation des italienischen Lifestyles sowie ein Bild des Stils, denn Italien ist immer noch das Land der Mode. Das „süße Leben“ soll sich auch auf die Produktionsweise, Umweltverträglichkeit und Materialauswahl beziehen. Eine interessante Idee, die gar nicht so kostspielig ist. Denn gerade der Preis lässt viele Konsumenten beim Thema „vegane Mode“ zurückschrecken.

Zurück in der Hauptstadt: Peeptoes, Sneaker, Laufschuhe und auch Pumps – vegan. Das 2010 gegründete Label avesu ist Vorreiter mit einem besonderen Konzept. Es arbeitet mit verschiedenen Marken zusammen und steht für Schuhe unterschiedlicher Stilrichtungen, die genau eine gemeinsame Eigenschaft haben: Alle sind vegan. Interessant sind hierbei die zwei sehr zielgruppenorientierten Stores in Berlin. Während am Prenzlauer Berg eher Ausgehschuhe zu finden sind, beglückt der Store in Friedrichshain alle Sneaker-Fans. Gemeinsam haben sie das integrierte vegane Café der Marke Veganz, in dem man es sich nach dem Shopping-Erlebnis bei einem Kaffee bequem machen kann.

Einzigartig und gleichzeitig bekannt sein. Genau da liegt die Schwierigkeit bei der Vermarktung veganer Mode. Die wachsende Nische „Öko-Mode“ verfügt zwar mittlerweile über einige Vorreiter, hat es aber trotzdem immer noch schwer, sich in der Modebranche durchzusetzen. Immer noch zu wenige Konsumenten machen sich Gedanken über den eigentlichen Hintergrund und Nutzen veganer Mode: Das Leid der Tiere soll vermieden werden. Rückt dieser Aspekt in den Vordergrund und wird gar zum Trend, so hat vegane Mode sicherlich eine Chance auf Wachstum. Der Massentrend spricht dagegen. Die Mode wird immer schneller und neue Ansätze haben es grundsätzlich schwer, in der chaotischen und paradoxen Fashion Branche Fuß zu fassen.

sjhoesvegan

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