Ob die schicken Herrenschuhe aus Italien oder die Trachten-Lederhosen zum Oktoberfest - klar, traditionelles Handwerk arbeitet immer mit echtem Leder. Oder doch nicht? Immer mehr Startup-Unternehmen arbeiten zwar nach weitergegebenen Traditionen, setzen aber auf veganes Leder und somit auf eine nachhaltige Zukunft. Doch wie genau funktioniert das?

In Bayern und Österreich hat die Lederhose eine weit in die Zukunft reichende Tradition. Tagsüber wird sie zum Arbeiten getragen und zu besonderen Anlässen wird die Trachtenlederhose aus dem Schrank geholt. Die qualitativ hochwertige Lederhose besteht aus Hirschleder und die typischen Knöpfe aus Hirschhorn. Von einem waschechten Bayer kaum wegzudenken. Diese traditionellen Herstellungsweisen bedeuten gleichzeitig auch Tierquälerei, sowohl bei der Haltung als auch bei der Gewinnung des Leders.

André Zechmann hat dieses Problem erkannt und die vegane Lederhose erfunden. Er selbst ist in der österreichischen Gemeinde Gröbming aufgewachsen. Die Tradition und Bedeutung der Lederhose hat er von Kind an in seiner Heimat erfahren. Er hält nicht viel von Massenproduktionen in Pakistan oder Bangladesch, wo Ziegenhaut mit Chemie behandelt wird. So kam er auf die Idee, eine vegane, nachhaltig produzierte Lederhose zu fertigen.

Die Vorteile? Sie besteht aus „englischem Leder“, also extrem widerstandsfähiger und gewachster Baumwolle, welche 100% biologisch ist. Außerdem wird sie in Europa per Handarbeit hergestellt. Massenanfertigungen in Billiglohnländern akzeptiert er nicht. Sogar kleine Details, wie z.B. die Knöpfe, die eigentlich aus Hirschhorn bestehen, lässt er aus Pflanzenmaterial produzieren. Zudem kann die Hose bei 30 Grad gewaschen werden und ist somit deutlich hygienischer. Denn wie jeder Österreicher weiß - eine Lederhose aus echtem Tierleder wird niemals gewaschen.

Mittlerweile ist Zechmanns Lederhose sogar GOTS-zertifiziert („Global Organic Textil Standard) und somit ein echter Vorreiter in Sachen nachhaltiger Traditionsmode. Doch kann man Veganismus wirklich mit so einem bedeutungsvollen Brauchtum der Bayern und Österreicher vereinbaren? Für André Zechmann ist das leicht zu beantworten: „Ich denke einfach, Tradition soll erhalten werden, aber sie darf moderner werden. Es ist nicht schlimm, wenn sich etwas weiterentwickelt.“

Nicht nur André Zechmann verbindet die beiden Gegensätze „Tradition“ und „Nachhaltigkeit“. Auch Unternehmen wie „Noah“ oder „Di Romeo“ vertrauen bei der Schuhproduktion auf ihr vererbtes Handwerk und setzen auf Handarbeit in italienischen Manufakturen. Aber auch sie verwenden ausschließlich vegane Materialien, die Tierlederschuhen zum Verwechseln ähnlich sind.

Fazit: Es ist möglich Traditionen fortzuführen und gleichzeitig für eine nachhaltige Zukunft zu stehen. Das nächste (vegane) Oktoberfest kommt bestimmt!