H&M Conscious Collection, Bio-Gemüse aus Südamerika, VW-Abgaswerte. Auf den ersten Blick gut für die Gesundheit, nachhaltig für die Umwelt und angenehmer für die sonst ausgebeuteten bengalische Arbeiter. Von wegen. In kaum einer Angelegenheit wird so viel geschummelt und versprochen wie in Sachen Nachhaltigkeit. Greenwashing ist das Gebot der Stunde. Die mangelnde Bereitschaft des Käufers, sich tiefgründig mit seinem Konsum auseinanderzusetzen, spielt der Industrie in die Hände. Im gefühlten Minutentakt schießen neue bewusstseinserweiternde Kollektionen und grüne Siegel aus dem Boden, die alle Ähnliches versprechen: „Gut aussehen und Gutes bewirken“ (H&M), „grün handeln und bunt genießen“ (Rewe) sowie „ökologische Nachhaltigkeit als Unternehmensziel“ (VW).

Aber was genau bedeutet „grünes Waschen“ eigentlich? Kurz und knapp: ein durch PR geschaffenes umweltbewusstes Image, für das es beim näheren Hinschauen keine ausreichenden Grundlagen gibt. Mehr Schein als Sein also. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers legt in einem Bericht zahlreiche Greenwashing-Strategien offen. So werden negative Produkteigenschaften zugunsten vereinzelter positiver Aspekte verschwiegen, Produkte von nicht unabhängigen Stellen verifiziert oder einfach selbst erfundene Labels verwendet. Diesen mangelt es erheblich an Aussagewert. So schmücken sich zahlreiche Thunfischdosen mit einem Siegel, das nachhaltige Fangmethoden verspricht. Und tatsächlich sind diese weniger gefährlich für Delfine, stattdessen jedoch verantwortlich für den Tod von Haien, Walen und Schildkröten. Und auch Beiersdorf peppt ganze Kosmetiklinien mit dem Label „Bio Aloe-Vera“ auf, obwohl Teile der Produktlinie auf Erdölbasis basieren.

Richtungsweiser im Siegel-Wald sind einige unabhängige Organisationen, die sich der Aufklärung verschrieben haben. Zu Ihnen gehören beispielsweise die Fair Wear FoundationClean Clothes CampaignLobby Control und natürlich Greenpeace. Sie informieren über Umweltschäden durch die Textilindustrie, Arbeitsbedingungen im asiatischen Raum und Informationsveranstaltungen vor Ort. Großes gemeinsames Ziel ist eine Nachhaltigkeit, die sowohl biologisch als auch ökologisch langfristig bestehen kann.

Was also tun? Zahlreiche Greenwashing-Kampagnen und nicht verifizierte Labels stützen sich auf die mangelnde Bereitschaft ihrer Kunden, sich intensiv mit den Konsequenzen ihres Kaufes auseinanderzusetzen. Was fehlt, ist der Druck der Masse. Was hilft, sind Fragen. Wo wurde das Produkt hergestellt? Beschäftigt das Unternehmen Kinder? Wo wurden die Rohstoffe angebaut, welche Reise haben sie hinter sich? Wie verläuft die Produktion, werden die Arbeiter gesundheitsschädlichen Stoffen ausgesetzt? Nachhaltigkeit fordert erst zweitrangig das Engagement der Unternehmen, zuerst sind die Kunden gefragt. Sie sind diejenigen, die mit ihrem Geld die aufwändigen Greenwashing-Kampagnen unterstützen und die sich anstelle eines Fast-Food-Konsums für ein bewusstes und damit verantwortliches Einkaufen entscheiden müssen.

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