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Die Frage nach der eigenen und der globalen Verantwortung stellt sich Lenka Petzold jeden Tag aufs Neue. Sowohl beruflich, als auch privat. Sie arbeitet für die Organisation Femnet, die sich für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen in der Textilbranche einsetzt. Uns berichtet sie über ihren Alltag, über das schlechte Gewissen beim Bad einlassen und warum auch sie manchmal in die Konsumfalle tappt.

Wie sind Sie als gelernte Textildesignerin dazu gekommen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen?

In meinem Studium kam das nie vor und war etwas völlig neues für mich. Ich habe erst mal ganz normal in einer Agentur für Musterentwürfe gearbeitet und schnell gemerkt, dass es immer wieder das Gleiche war. Jedes Design kommt wieder. Das war auf Dauer nicht das Richtige für mich und das System hat einfach nicht zu meinen Vorstellungen gepasst. Daher habe ich mich dann immer mehr auf Nachhaltigkeit fokussiert und begonnen, mich zu engagieren. So bin ich dann unter anderem auch bei Femnet gelandet.

Welchen Beitrag leisten Sie für Femnet?

Ich arbeite für das Projekt FairSchnitt und halte Vorträge, hauptsächlich an Hochschulen. Dort informiere ich unter anderem über die Problematik der heutigen Firmenpolitik und mangelnde Verantwortung bei Unternehmern und Konsumenten. Momentan bin ich noch kein Mitglied in der Organisation, überlege aber beizutreten. Dann könnte ich mich stärker mit allen Bereichen auseinander setzen und wäre noch aktiver dabei. Das fände ich schön, denn der Job macht mir viel Spaß. Mal sehen, wie sich das in der Zukunft mit meiner Arbeitszeit vereinen lässt.

Wie wirkt sich Ihre Arbeit auf Ihren Alltag aus?

Ich gehe im Bio-Supermarkt einkaufen und habe kein Auto. Ich laufe sehr gerne zu Fuß, vor allem in der Stadt. Ansonsten greife ich auf den Zug zurück. Ich führe eine Art spätes Studentenleben. Zum einen lebt man sparsamer, gleichzeitig vertritt man dadurch aber auch seine Überzeugungen.

Und bei Bekleidung?

Mein Beruf hat mein privates Verhalten stark beeinflusst, auch bei Kleidung. Ich leite ein Projekt namens „Klamottenkur“, bei dem man seinen Kleiderschrank während der Fastenzeit auf 50 Teile reduziert. Im Alltag wäre das zu wenig, da würde ich an meine Grenzen kommen. 100 Teile brauche ich dann schon. Aber für sieben Wochen ist das kein Problem und reicht als Basis aus.

Und nach der Fastenzeit? Kaufen Sie generell anders ein als früher?

Ich versuche auf Qualität und Gütesiegel zu achten. Dafür zahle ich bewusst höhere Preise und weiß dann auch, dass ich länger etwas von dem Teil habe. Und ich überdenke den Kauf viel gründlicher und kann meine Kleidung im Endeffekt auch mehr wertschätzen. Spontankäufe gibt es bei mir überhaupt nicht mehr.

Haben Sie einen Grundsatz und brechen Sie diesen auch ab und zu mal?

Es gibt so viele Sachen, auf die man achten muss, da ist es schwer, etwas als besonders wichtig hervorzuheben. Mein Grundsatz ist, dass man zumindest versuchen sollte, so viel wie möglich zu berücksichtigen. Das gelingt mir aber auch nicht immer. Ich habe zum Beispiel ein schlechtes Gewissen wenn ich in der Wanne liege – eigentlich die totale Wasserverschwendung.

Was hat Sie während Ihrer Arbeit am meisten schockiert?

In Indien habe ich die Armut als sehr bedrückend empfunden. Ich konnte durch die Sprachbarriere zwar nicht mit den Leuten reden, aber was ich gesehen habe, hat ausgereicht. Und ich erinnere mich an eine Reise zu Beginn meiner Karriere. Ich sollte in Mumbai einen Vortrag halten und bin am Tag vorher hin und am Tag danach zurück geflogen. Später habe ich mich dann geärgert! Für einen Tag um den Globus zu fliegen ist totaler Quatsch und hat auch nichts mit Nachhaltigkeit zu tun.

Wie sieht Ihr konkreter Arbeitstag aus?

Da ich freiberuflich bin, kann das sehr stark variieren. Manchmal bin ich viel unterwegs und halte meine Vorträge. Ansonsten arbeite ich ganz normal im Büro und bereite Kampagnen oder Konzepte vor. Ich muss auch ständig Kontakt mit den Kollegen meiner einzelnen Projekte halten und Angebote und Rechnungen bearbeiten. Ich unterstütze auch andere Organisationen und bin Teil eines Festivals für Design und Nachhaltigkeit. Dort wird es unter anderem bald wieder eine Ausstellung über nachhaltige Produkte geben. Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit der Frage, welches Plastik ökonomisch wertvoll ist.

Was sagen Familie und Freunde zu Ihren Beruf?

Dass man mit anderen Jobs wesentlich mehr Geld verdienen könnte. Aber da sind meine Überzeugungen stärker. Und generell unterstützen sie mich auch, es ist auf jeden Fall immer Interesse an den Themen da.

Konnten Sie auch schon jemanden aus ihrem Umfeld für ein nachhaltigeres Leben begeistern?

Was mich wirklich freut ist, dass mehrere meiner Freunde von sich aus bei der „Klamottenkur“ mitmachen. Das ist ein guter erster Schritt, um sich klar zu machen, wie viel überflüssiges wir konsumieren. Manchmal müssen einem einfach die Augen geöffnet werden und dann kann ein so kleines Projekt doch eine sehr große Wirkung für einen haben.

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