Sie ist schlank. Hat Kurven. Sie kann spritzig und mild sein. Wir kleben mit unseren Lippen an ihr – Die PET Flasche. Ob Fanta, Wasser oder Ketchup: Fast alles wird in Plastik abgefüllt.

Es gibt sie als Mehrweg- und Einwegflaschen. Mehrwegflaschen verbrauchen auf ihrem Lebensweg weniger Energie und Rohstoffe. Durch neues befüllen sind sie mehrere Jahre im Umlauf. Einwegflaschen hingegen müssen immer neu produziert werden. Günstig. Natürlich spielt hier der Preis eine große Rolle. So können die Einwegflaschen günstiger hergestellt, günstig angeboten aber auch einfacher entsorgt werden. Aber sind das Flaschen der Zukunft?

Ein grauer Automat. Sein kleiner Bildschirm leuchtet, das große Loch darunter ist dunkel. Die als Pfandflasche gekennzeichnete Plastikflasche kommt in die Röhre. Sofort wird sie eingezogen. Sie hält an. Ein Scanner summt auf. Farbiges Licht bestrahlt die Flasche, während diese sich dreht. Erneut hält sie an. Der Barcode wurde gefunden und die Flasche fährt auf dem Förderband in den hinteren Teil des Automaten. Ein lautes knirschen und knistern. Die nächste Flasche ist dran! Tagtäglich bringen Menschen ihre leeren PET-Getränkeflaschen zu den Pfandrückgabeautomaten, der diese sammelt. Den Konsumenten stehen an über 40.000 Sammelstellen weit über 100.000 Sammelcontainer zur Verfügung. In fast allen Lebensmittelgeschäften oder Getränkemärkten sind die Abgaben möglich.

Ein langer Weg liegt vor ihnen...

Jährlich verbrauchen die Deutschen zwölf Millionen PET-Flaschen. Weltweit kommen wir da schon auf eine Billionen Flaschen. Ein enormer Plastikmüll. Der Pfandbetrag von 25 Cent kommt vor allem bei den Flaschensammlern gut an, um das ein oder andere dazu zu verdienen. Somit bleiben Parks, Straßen und öffentliche Orte frei von leeren Plastikflaschen.

Die gesammelten Flaschen kommen zu Sortierzentren. Danach erkennt man diese fast nicht mehr wieder: Bis zu 300 Kilogramm schwere Pressballen sind transportfertig für die Weiterverarbeitung. Die Maschinen befreien die Flaschen von Etikett, Deckel und sortieren sie nach Farben. Fremdstoffe und Schäden werden sofort erkannt und ausgeschieden. Stündlich wandern bis zu 350.000 durch verschiedene Stationen der Verarbeitung. In fünf Millisekunden führen Maschinen bis zu 6.000 Messungen pro Flasche durch. Danach sind die Flaschen fast hunderprozentig sauber.

... wobei mehrere Stationen besucht werden

Die nach Farben sortierten PET-Ballen kommen dann in eines der zwei Recyclingwerke in der Schweiz. Gewaschen, geschreddert und eingeschmolzen entsteht aus ihnen ein Granulat. Hinzu gefügt wird ein fabrik neues Material. "Mechanisch ist ein vollständiges Recycling von Flasche zu Flasche nicht möglich", sagt Michael Gutknecht, Geschäftsführer der Gossler Envitec, ein Unternehmen, dasss Anlagen und Methoden zum Recyceln von Kunststoffabfällen entwickelt. Zu vergessen ist aber nicht: Für die Herstellung von PET-Flaschen benötigt man Erdöl. Für ein Kilogramm PET zwei Liter. Das reicht gerade mal für 28 Flaschen.

Erdöl. Es geht zur Neige. Unsere Gesellschaft bedient sich im Überfluss und lässt unseren Planeten darunter leiden. Nicht immer wurden so viele Rohstoffe verbraucht, denn über Jahrtausende lebte die Menschheit im Einklang mit der Natur.

Wer sammelt, spart Energie

In unserer jetzigen Wegwerfgesellschaft verachten wir die Natur. Plastikmüll ist langlebig. Kein verrotten, vermodern, zerfallen – PET-Flaschen brauchen 450 Jahre, um sich vollständig aufgelöst zu haben. Vor allem Ozeane leiden unter den enormen Ausmaßen der Verschmutzung.

Wer sammelt, reduziert den Plastikmüll. Unsere Umwelt bleibt sauberer. Wer sammelt, reduziert den CO2-Ausstoß. Die Rückgabe von zwölf PET-Flaschen  entspricht einer neun Kilometer schadstoffarmen Autofahrt. Wer sammelt, spart Energie. So können zwölf zurück gegebene Flaschen einem Laptop 64 Stunden Energie spenden.

PET wird wiederverwertet

Zwar wird Engergie gespart, aber Erdöl verbraucht. PET – Polyethylenterephthalat wird zu 100 Prozent aus Erdöl oder Erdgas produziert. „Die weltweite Rohölförderung liegt bei fast 4.000 Millionen Tonnen im Jahr. Davon gehen etwa vier Prozent des gesamten europäischen Ölverbrauchs in die Kunststoffproduktion, wobei die  Kunststoffindustrie jedes Jahr weltweit etwa 40 Millionen Tonnen PET herstellt. Das heißt, etwa ein Prozent des europäischen Ölverbrauchs wird in PET umgewandelt“, resümiert aus dem Verpackungsbarometer. Heizöl und Kraftstoff für unseren fahrbaren Untersatz nehmen den großen Rest ein.

Dennoch wächst der Markt um Recycling von PET-Flaschen jährlich um 10%. Weltweit nutzen die Menschen dieses Material zur wiederverwertung. PET ist robust und unzerbrechlich, hygienisch und hat viele Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem ist das Material sehr leicht, einfach zu transportieren und verbessert somit die CO²-Bilanz. Hinzu kommt, dass es zu 100 Prozent recyclingfähig ist.

Auch die Textilindustrie hat den Rohstoff für sich entdeckt

Taiwan ist an der Weltspitze im Recycling. Vor allem Stoffe aus PET-Flaschen werden dort angefertigt. Im Prinzip tragen wir Flaschen am Körper. 70 Flaschen ergeben ein Kilogramm Garn. Polyesterfasern. Das Garn ist besonders für Sportbekleidung geeignet. Der Stoff ist knitterfrei, reißfest, witterungsbeständig und nimmt wenig Wasser auf. Genau wie PET wird auch Polyester aus Erdöl gewonnen. Somit lohnt sich das Aufbereiten von zerhackten PET-Flaschen, um unseren natürlichen Rohstoff zu schonen. Da diese Art von Weiterverarbeitung meist im Ausland geschieht, spart man zwar Erdöl, aber die Transportwege sind länger.

Die in Deutschland gesammelten PET-Flaschen kommen größtenteils nach China. Die Textilindustrie nutzt etwa die Hälfte der PET-Flaschen. Sie werden zermahlen, erhitzt und zu einem Garn gesponnen. Zur besseren Vorstellung: 16 eineinhalb-Liter PET-Flaschen werden zu einem Fleecepulli in Größe L. Der Materialwert liegt bei etwa 50 Cent. Für das vertraute Soffgefühl kommt unter anderem Baumwolle dazu. Auch Levi's brachte eine Jeans auf den Markt, für die rund acht PET-Flaschen wiederverwertet wurden. Die Modeindustrie benötigt rund 70 Prozent der fünf Millionen Tonnen PET, die jedes Jahr gesammelt werden.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Der Trend zu "upcycling" setzt sich auch bei zahlreichen Designern und etablierten Herstellern durch, die die Produktabfälle als Rohstoff für hochwertige Waren verwenden. Damit verhindert man, dass die Abfälle zur Deponie kommen. Die britische Möbeldesignerin Sarah Turner nahm Abfallflaschen aus PET und wandelte sie in eine innovative Leuchtzeile um. Ihre Arbeiten wurden in den Zeitschriften London Fashion Week, Milan Design Week und Ideal Home Show präsentiert und mit einem Preis ausgezeichnet.

Aber es gibt weitere Alternativen. Seit 2010 gibt es erste Getränkeflaschen aus teilweise biobasiertem PET. Das Zaubermittel: Zuckerrohrmelasse. Ein brauner, zähflüssiger Sirup, gewonnen bei der Zuckerproduktion. Mittlerweile strebt The Coca-Cola Company eine 100-prozentig aus nachwachsenden Rohstoffen Getränkeflasche an. Die sogenannte PlantBottle besteht zu 30 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen und 70 Prozent Neumaterial. Ein Anfang. Seit 2009 setzt Coca-Cola diese Flasche weltweit in 31 globalen Märkten ein. Und bis 2016 wollen sie alle Plastikflaschen auf Bio-PET umstellen.

Bioplastik ist allerdings nicht unbedingt umweltfreundlicher als herkömmliche Kunststoffe. Die auf Milchsäure basierenden Bioplastiksorte ist kompostierbar. Andere Kunststoffe der ölfreien Variante müssen beständig sein, wenn sie beispielsweise als Autoteile verbaut werden. Des weiteren werden für die benötigten Pflanzen Düngemittel verbraucht, die der Umwelt schaden. Für den Biokunststoff benötigt es professionelle Kompostwerke, da diese Stoffe nur unter spezifischen Bedingungen zerfallen. Und die meisten deutschen Kompostwerke verweigern die Annahme, weil die Kunststoffteile sich zu langsam zersetzen, um bis zur Weiterverwendung des Kompost spurlos zur verschwinden. In den USA und den Benelux-Staaten sind die Verpackungen aus Bioplastik verbreitet – Im Gegensatz zu Deutschland. Noch nicht.