Ob beim Autokauf oder bei der Auswahl des richtigen Spülmittels: Als Konsument findet man wohl kaum noch einen Bereich der sich nicht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigt. Also ist es auch kein Wunder, dass sich immer mehr Hoteliers mit der ökologischen Verantwortung beschäftigen und diese umsetzen. Aber wie viel öko steckt wirklich in den Bio-Unterkünften?

Murmeltierfett! Das klingt eher nach einem Mittel aus der Notapotheke als nach einem Ökoprodukt in einer Vital-Oase in einem grünen Hotel. „Hier ist das ein ganz altes Heilmittel“, flüstert beruhigend die Masseurin Tina. Und schon hat sie die Kräuterstempel in der Hand. Kleine Säckchen mit Lavendel, Kamille und Ringelblume füllen den Raum mit einem angenehmen Duft. „Alles natürlich und nachhaltig“, lächelt die Dame in Weiß.

Das Thema Nachhaltigkeit ist im Tourismus längst nichts mehr Neues. Jedem Reisenden ist wohl klar, dass er Spuren in der Welt hinterlässt. Aber nicht nur als Fußabdruck im Sandstrand. Keine Frage: Konsum ohne einen Gedanken an den Umweltschutz ist Vergangenheit. Auch beim Reisen spielt das Prinzip der Nachhaltigkeit eine zunehmende Rolle – vor allem bei der Wahl der Unterkunft. Aber wie genau sieht so etwas aus?

Laut einer Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), muss Tourismus „nachhaltig“ sein. Da die Reisenden ihre eigene Verantwortung als Verbraucher sehen. Sie waren aber auch der Meinung, dass diese Nachhaltigkeit auch das Merkmal eines touristischen Angebotes ist und deswegen auch in der Verantwortung der Produzenten liegt.

Im Jahr 2013 gab es rund eine Millionen Reisende in Deutschland, für die Nachhaltigkeit das wichtigste Entscheidungskriterium war, so die Reiseanalyse 2014. Nachhaltigkeit hat dabei mehrere Dimensionen: 22 Millionen Personen streben ein ökologisch einwandfreies Urlaubserlebnis an, 26 Millionen achten besonders auf die Sozialverträglichkeit. Rund 36 Millionen Personen lassen sich finden, die zukünftig ihre Urlaubsreise gerne nachhaltig gestalten würden.

Das Thema umweltbewusstes Verhalten im Urlaub spielt in den Köpfen der Reisenden eine immer größer werdende Rolle. Das sieht man auch bei der Suche, der Wahl und der Buchung von Unterkünften. Die Bereitschaft umweltfreundliche Unterkünfte zu buchen, nimmt eine positive Entwicklung. Ralf Priemer, Vorstand der hotel.de AG sagt: „Wir registrieren eine zunehmende Buchung von Hotels mit höheren Umweltstandards und immer mehr Hoteliers sind bereit in ökologische Baumaßnahmen zu investieren und ihre Angebote für den Gast nachhaltig auszubauen.“

Auch viele Beherbergungen entdecken ihr grünes Gewissen. Allerdings sind damit nicht nur das Heizen mit Holzhackschnitzeln, Bio-Gemüse auf dem Büffet oder die Verbesserung der Mülltrennung gemeint. Sondern weit größere Bemühungen, wie die Energiegewinnung, drastische CO2-Einsparungen und die Fokussierung auf regionale Materialien, Baustoffe und Nahrungsmittel.

Die asiatische Hotelkette ist eine davon. So verfügt beispielsweise das „Shangri-La Villingili Resort und Spa“ auf den Malediven über eine sich automatisch abschaltende Klimaanlage, sowie eine Wasserentsalzungs- und Abfüllanlage, die Trinkwasser produziert und importierte Plastikflaschen unnötig macht. Außerdem wurde ein Corporate Social Responsibility Manager eingestellt, um mehr ökologische und soziale Projekte voranzutreiben. Auch die Resort-Gäste werden so integriert und können an Bildungs- und Naturprogrammen teilnehmen. Wie zum Beispiel bei den „Environmental Days“, wo die Touristen mit den Einheimischen zusammen den Strand säubern.

Das kanadische fünf Sterne Delux-Camp „Clayoquot Wilderness Resort“ ist im puncto Nachhaltigkeit ein vorzeige Modell. Hier kann man selbst Hand anlegen. Eine Fernbedienung und ein Telefon gibt es hier nicht. Stattdessen greifen die Urlauber zu Fernglas und Kanupaddel und helfen bei Projekten zum Adler- und Bärenschutz. Da das Resort in einem biosphären Reservat liegt, arbeitet es dank effizienter Recyclingsysteme und Holzheizungen komplett umweltverträglich.

In Europa werden auch interessante grüne Hotelprojekte eröffnet. Beispielsweise, dass „Boutique-Hotel Stadthalle Wien“, dass sich seit 2008 in einem neuen Umwelt-Outfit präsentiert. Das Design ist modern, klar und schick – keine Spur von Öko-Muff. Es bezeichnet sich selbst als das erste Hotel der Welt, dass genau so viel Energie produziert wie es verbraucht.

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Grün in der Großstadt: Das Hotel „Boutique-Hotel Stadthalle Wien“

Aber welche Kriterien gibt es für die Öko-Hotels?

Nicht überall, wo öko drauf steht, ist auch öko drin. Viele Hotels werben mit ihren nachhaltigen Strategien und ihrem umweltbewusstem Verhalten. Allerdings bedarf es dazu viel mehr. Es gibt nämlich gewisse Standards und Kriterien für Öko-Hotels, die mit Siegeln und Zertifikaten ausgezeichnet werden. Viele Hotels verpflichten sich für diese Öko- und Klimastandards. In Europa gibt es 50 verschiedene Umweltzertifikate- und marken für fast alle Arten touristischer Angebote: Strände, Restaurants, Campingplätze, Hotels, Ferienhäuser oder Bauernhöfe. Sie geben umweltbewussten Touristen eine Orientierung.

So legt der 2001 gegründetet Verein BIO-Hotels e.V. (http://www.biohotels.info) für seine rund 90 Mitgliederhotels Standards fest, die eingehalten werden müssen. Anfangs bezogen sich diese Standards nur auf biologische Speisen und Getränke. Doch dann fingen viele Hotels an, ihre Zimmer baubiologisch zu renovieren, auf Ökostrom zu setzen und bevorzugt regionale Produkte zu verwenden. Der Verein ging noch einen Schritt weiter. 2011, führte er das Qualitätssiegel „ehc“ (eco hotels certified) ein, mit dem Ziel mehr Ökologie, mehr Nachhaltigkeit und mehr Regionalität in die Unternehmen zu bringen. Die Mindestkriterien für eine erfolgreiche ehc-Zertifizierung sind unter anderem, die Verwendung von Ökostrom, schonender Wasser-, Energie- und Abfallverbrauch und die Verwendung von Recyclingpapier.

Andere Siegel, wie beispielsweise Klima-Hotels (http://www.klima-hotels.de) oder Viabono (http://www.viabono.de) spezialisieren sich auf Unterkünfte, Restaurants oder Reiseveranstalter. Sie ermitteln den CO2-Fußabdruck der Hotels und kompensieren den unvermeidlichen Rest des CO2-Ausstoßes durch zertifizierte Projekte. Oder, sie beschäftigen sich mit verschiedenen, umweltfreundlichen Tourismusangeboten aus den Bereichen Energie, Wasser oder Architektur.

Aber nicht nur Siegel und Zertifikate helfen den Verbrauchern zu einer Orientierung über nachhaltige und ökologische Angebote. Im Bereich Mode und Ernährung gibt es das Online-Portal „Rank a Brand“ (http://rankabrand.de). Hier wird dem Verbraucher geholfen nachhaltige Markenprodukte zu kaufen. Das Portal gibt eine große Übersicht über faire, klima- und umweltfreundliche Marken und bewertet sie. Neben Lebensmitteln- und Modemarken kann man sich auch über Reiseveranstalter informieren. Das Ziel von „Rank a Brand“ ist es zu sensibilisieren: Markenhersteller für Unternehmensverantwortung und Transparenz. Verbraucher für Nachhaltigkeit und ihre Einflusskraft.

Schlussendlich, können aber Gütesiegel und Fare-Trade-Zertifikate nicht alle Probleme beseitigen, die im Tourismus bestehen. Aber es könnte die Veranstalter und Hoteliers motivieren, sich mehr und mehr nachhaltig und umweltbewusst zu betätigen und ihre Unternehmen so auszubauen. Für den Verbraucher ist es ein guter Ansatz, sich mehr über ökologische und nachhaltige Hotels und Reiseveranstalter zu informieren und gewissenhafter zu wählen.

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