Nach drei Jahren Studium an der AMD verlässt die Absolventin Melanie Maresch die Pforten der Akademie, um ins Arbeitsleben zu treten. Wir haben die Designerin nach ihrer Abschlusspräsentation getroffen und sie zu ihrer mythischen Kollektion und ihre Zukunftsaussichten befragt.
Interview: Maja Tripkovic und Claudia Schultz
Wie kam der Name und die Idee zu „Lilith“?
Der Name der Kollektion ist „Lilith“. Das ist ein alter hebräischer Name und bedeutet „Die Nächtliche“. Lilith ist die erste Frau von Adam im Judaismus, quasi die Urfrau bevor Eva geschaffen wurde.
Ich interessiere mich sehr für die fernöstliche Kultur, die Beduinen der afrikanischen Wüste und auch für spirituelle Themen. Seien es die dunklen Abgründe der Seele als auch Meditation und Glaube. Ich wollte eine Brücke zwischen meiner Gedankenwelt und meinen Kundinnen erschaffen. „Lilith“ ist das Idealbild der Frau, die ich mit meiner Kollektion ansprechen möchte, sie steht in ihrer Kraft für die weiblichen Instinkte, die ungezähmten Seiten unserer Sexualität. Die femme fatale, die Lilith initiiert hat, möchte ich in jeder Frau erwecken.
Wie viele Teile umfasst deine Kollektion?
Ca.30 Teile.
Welche Materialen benutzt du?
Für die Auswahl der Materialien stand nicht nur die Optik, sondern auch die Haptik im Zentrum. Weiche, fließende Oberflächen treffen auf raue, körnige Oberflächen, die an die zerklüfteten Strukturen im Sand und auf Felsen erinnern. Die Kollektionsteile bestehen ausschließlich aus hochwertigen Materialien. Vor allem sehr weiches Ziegenleder, das stark abgeschliffen wurde, so dass die Oberfläche porös und rau ist. Feine Materialien wie Jersey und auch plissierte Crêpeseide wurden verarbeitet.
Wie würdest du die Silhouette beschreiben?
Die Kollektion ist geprägt von einer ethnischen, langen, flatternden mystischen Silhouette mit vielen unterschiedlich langen Lagen im Grunge-Look. Subtil eingearbeitete Pagodenschultern erinnern an die Rüstungen dar Samurai.
Wie hast du die Stoffe ausgewählt bzw. produziert?
Ich habe die Stoffe zum Konzept und der Silhouette passend ausgesucht. Einen Stoff habe ich selbst durch Beschichtung entwickelt, um eine ganz bestimmte irisierende Optik und grüne Farbe herzustellen.
Und die Farbwahl?
Ich habe vor allem Schwarz eingesetzt und dazu in einigen Silhouetten ethnische, leuchtende Naturtöne, wie z.B. Indigo kombiniert. Die Farben stehen in starker Spannung zum Schwarz, wie aufglimmende Lichter in der Nacht.
Was hast du vor der AMD gemacht?
Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Mediengestalterin abgeschlossen. Daher kann ich sehr gut mit kreativen Programmen umgehen, was mir aber nicht so gefallen hat, war das ununterbrochene Sitzen am Rechner. Wichtig war mir immer etwas zu machen was Abwechslung bringt, deshalb habe ich mich auf meinen lange gehegten Traum zurückbesonnen und das Studium zur Modedesignerin begonnen.
Was begeistert dich an Mode?
Dass sie in stetigem Wandel ist. Nichts langweilt mich mehr, als auf der Stelle zu treten und nicht voran zu kommen. Bei Mode ist das etwas anderes, sie kann ständig neu erfunden werden. Sei es durch die Silhouette oder den Einsatz von neuen Techniken, wie z.B. neue Beschichtungen, die Optik und Funktion einer Materie verändern können.
Was nervt dich an Mode?
Wenn du als Anfänger im kreativen Bereich der Modebranche arbeiten möchtest, haben meist diejenigen den längsten Atem, die mit dem Goldlöffel im Mund geboren wurden. Oft zählt nicht einfach dein Talent, sondern was du investieren kannst. Vor allem, weil auch längere Praktika häufig nicht bezahlt werden. Und ohne Praktikum kein Job. Also heißt es Zähne zusammen beißen und einen langen Atem haben!
Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
In der nächsten Zeit würde ich gern als Pattern Maker oder Design Assistant für ein Prêt-à-Porter Label arbeiten. Ich bin relativ flexibel was den Standort betrifft, in Antwerpen habe ich mein Praktikum gemacht, das ist eine tolle Stadt.
Die 1985 geborene Modedesignabsolventin ist in Hagen aufgewachsen und lebt mittlerweile in Düsseldorf. Zu ihren Lieblingsdesignern gehören unter anderem Haider Ackermann, Ann Demeulemeester, Rick Owens, Matthew Ames und Damir Doma. Sie sammelt mit Leidenschaft das Magazin “encens” und liebt es in bizarre Welten und phantastische Beschreibungen einzutauchen. Auf ihrem Nachttisch liegen derzeit die Bücher “The Strange Case of Dr.Jekyll and Mr.Hyde” und “Alice in Wonderland”.

ich bin total von dir beeindruckt.ich habe nichts anderes erwartet,du bist toll,mach weiter so—-grossartig. liebe grüsse susanne